Vasco da Gama

Dom Vasco da Gama

Kindheit und Jugend - Über Vasco da Gamas Jugend und das Leben vor seiner großen Entdeckungsfahrt ist wenig bekannt. Er entstammt dem portugiesischen Adel. Seine Eltern waren Estêvão da Gama (Gouverneur von Sines und Silves) und Isabel Sodré, deren Familie ursprünglich aus England stammte und über gute familiäre Beziehungen zum Orden der Christusritter verfügte. Beide hatten gemeinsam zumindest fünf Kinder, einige Autoren gehen von sieben bzw. acht aus. Sein Vater gehörte zum Ritterorden von Santiago und war Komtur von Cercal sowie Verwalter (alcaide-mor) der Stadt Sines, die ebenfalls dem Santiago-Orden gehörte. Die Familie seines Vaters stammte aus dem südlichen Alentejo, war ursprünglich mit dem Ritterorden von Avis verbunden und wechselte erst später zum Ritterorden von Santiago. Estêvão da Gama gehörte zum Hause des Prinzen Dom Fernando, der auch Großmeister des (portugiesischen) Ordens von Santiago war. Später schloss sich Estêvão da Gama dessen Sohn, Dom Diogo an, Herzog von Viseu und Administrator des Ordens der Christusritter. Mit beiden kämpfte er in Nordafrika und in Kastilien. 1484 wurde Dom Diogo der Verschwörung gegen den König, seinen Onkel Johann II., angeklagt und ermordet, sein Anhang verfolgt. Der erste historische Beleg für den Lebensweg von Vasco da Gama stammt aus dem Jahre 1480. In diesem Jahr trat er in den Ritterorden von Santiago ein. Dies war die Voraussetzung, um später persönliche Einkünfte aus der Verwaltung und Bewirtschaftung von Gütern des Ordens ziehen zu können, bedeutete jedoch nicht automatisch die spätere Weihe zum Priester. Ein Noviziat in den Ritterorden dieser Zeit begann üblicherweise im Alter von 11 oder 12 Jahren, so dass auf das nicht eindeutig belegte Geburtsjahr von Vasco da Gama geschlossen werden kann: vermutlich 1468 oder 1469. 1492 beauftragte Johann II. Vasco da Gama mit Vergeltungsmaßnahmen gegen französische Handelsschiffe im Hafen von Setúbal und in Häfen an der Algarve, um damit auf die Angriffe französischer Piraten auf portugiesische Schiffe vor der westafrikanischen Küste zu reagieren. 1495 wurde da Gama als Anerkennung für geleistete Dienste zum Komtur der beiden Komtureien des Santiagoordens Mouguelas und Chouparia ernannt.

Nominierung Vasco da Gamas - Warum Vasco da Gama als Oberbefehlshaber für die Reise nach Indien ausgewählt wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die beiden Zeitgenossen und Chronisten João de Barros und Damião de Góis verweisen darauf, dass er die Nachfolge seines Vaters angetreten habe, der unter Johann II. einer der wichtigsten Verfechter der Suche des Seeweges nach Indien um Afrika herum gewesen sei. Gesichert ist jedenfalls, dass da Gama über sehr gute Beziehungen zu dem seit 1495 herrschenden König Manuel I. von Portugal verfügte und als ein Mann galt, der das Vertrauen des Königs genoss. Manuel I. ermöglichte Vasco da Gama auch den Eintritt in den Orden der Christusritter. Die möglicherweise fehlenden maritimen Kenntnisse Vasco da Gamas wurden durch die besten Piloten und Steuerleute Portugals kompensiert, welche die zu befahrenden Gewässer kannten – so weit sie den Portugiesen überhaupt bekannt waren. Außerdem begleitete Bartolomeu Diaz, der Bezwinger des Kaps der Guten Hoffnung, die kleine Flotte bis zu den Kapverdischen Inseln. Im Gegensatz zu dieser Position gehen verschiedene Autoren jedoch davon aus, dass sich Vasco da Gama schon früh als fähiger Seemann und Kapitän ausgezeichnet haben muss. Denn obwohl Bartolomeu Diaz bereits um die Jahreswende 1487/88 als erster Europäer die Südspitze Afrikas umsegelt hatte, erteilte König Manuel I. von Portugal nicht ihm, sondern da Gama den Auftrag, den letzten noch fehlenden Abschnitt der Gewürzroute nach Indien zu erkunden. Bereits 80 Jahre zuvor wurde diese Suche von Heinrich dem Seefahrer begonnen. Das Ziel der Expedition war es, den arabischen, persischen, türkischen und venezianischen Zwischenhandel auszuschalten, der Gewürze wie etwa Pfeffer in Europa extrem verteuerte.

Die Entdeckung des Seewegs nach Indien - Vasco da Gama verließ am 8. Juli 1497 den Hafen Restelo in Lissabon mit seinem Flaggschiff, der Nau São Gabriel (120 t) sowie der Nau São Rafael unter dem Kommando seines Bruders Paulo da Gama sowie der Nau Bérrio (in einigen Quellen auch Santa Fé) (100 t) unter Nicolao Coelho als Kapitän und einem Transportschiff unter dem Kommando von Gonçalo Nunes. Insgesamt nahmen an der Reise zwischen 150 und 170 Mann Besatzung teil. Der Flotte waren die besten Piloten (Steuerleute und Navigatoren) Portugals beigegeben, denen die Strömungs- und Windverhältnisse speziell im Südatlantik weitestgehend vertraut waren. Für das Flaggschiff war das Pêro de Alenquer, auf der São Rafael fuhr João de Coimbra als Pilot und auf der Bérrio übte dieses Amt der erfahrene Pêro Escobar aus. Als Segelmeister der kleinen Flotte fuhr auf der São Gabriel Gonçalo Álvares, der bereits an der zweiten Reise Diogo Cãos teilgenommen hatte. Vasco da Gama segelte mit weit nach Westen ausholendem Kurs durch den Atlantik und löste sich deutlich von der Küste, um bessere Windverhältnisse zu nutzen. Am 4. November erreichte die kleine Flotte die Sankt-Helena-Bucht an der Westküste Südafrikas. Anschließend umfuhr er das Kap der Guten Hoffnung in einem großen Bogen und landete am 25. November in der Mosselbaai. Der ostafrikanischen Küste folgend erreichte er am 7. April 1498 Mombasa, wo arabische Kaufleute versuchten, seine Weiterfahrt zu verhindern. Vasco da Gama segelte weiter zu der ostafrikanischen Stadt Malindi, einer Handelskonkurrentin von Mombasa. Deren Sultan stellte ihm einen Navigator für die Überfahrt nach Indien zur Verfügung. Am 20. Mai 1498 landete Vasco da Gama nahe Calicut an der Malabarküste. Zum ersten Mal hatte ein europäisches Schiff Indien auf dem Seeweg um Afrika herum erreicht. Die Verhandlungen mit dem Zamorin von Calicut verliefen zwar nicht wie erhofft, dennoch konnte Vasco da Gama am 8. Oktober voll beladen mit kostbaren Gewürzen die Rückreise antreten. Das erste Schiff seiner Flotte unter Nicolao Coelho erreichte die Heimat am 10. Juli 1499. Vasco da Gama selbst, der sich wegen seines tödlich erkrankten Bruders einige Wochen auf den Azoren aufgehalten hatte, traf am 9. September wieder in Lissabon ein, wo ihm ein triumphaler Empfang bereitet wurde. Zu Weihnachten 1499 verlieh das Königshaus Vasco da Gama die Herrschaft über die Stadt Sines, die sein Vater bereits ausgeübt hatte. Damit begann ein jahrelang schwelender Konflikt zwischen dem König und da Gama einerseits und den Ordensoberen der Santiagoritter sowie den lokalen Autoritäten der hochadligen und im Santiago-Orden einflussreichen Familie de Noronha andererseits, die diese Verleihung als Einmischung in die Rechte des Ordens nicht anerkannten. 1507 verlor Vasco da Gama diese Auseinandersetzung, musste mit seiner Familie Sines verlassen und durfte das Gebiet nur noch mit Erlaubnis des Ordensoberen betreten. Darauf hin legte er alle Ämter der Santiagoritter nieder, gab die beiden Komtureien des Santiagoordens Mouguelas und Chouparia zurück und trat mit Unterstützung des Königs kurze Zeit später dem Orden der Christusritter bei. Weitere Ehrungen durch den König folgten. So durfte da Gama den Titel „Dom“ führen, was auch seinen Brüdern und Nachkommen gestattet wurde. 1502 wurde ihm dann der Titel eines Almirante do Mar das Índias (etwa: Admiral des Indischen Meeres) verliehen. Dies geschah sicher auch als Erwiderung auf die Ernennung von Christoph Kolumbus zum Admiral des Ozeanischen Meeres durch das spanische Königspaar einige Jahre zuvor.

Die zweite Reise nach Indien - Die zweite portugiesische Indienexpedition leitete Pedro Álvares Cabral, der bei dieser Gelegenheit im Jahr 1500 Brasilien entdeckte. 1501 befehligte João da Nova mit vier Naus die dritte Reise. Die vierte Fahrt 1502 stand dann wieder unter dem Kommando Vasco da Gamas, nachdem dieser bei seinem Kinder- und Jugendfreund, König Manuel I., gegen eine erneute Berufung Pedro Álvares Cabrals zum Oberbefehlshaber der Flotte protestiert hatte. Diesmal brach er mit 21 schwer bewaffneten Schiffen auf. Das erste Geschwader (9 Naus) führte er selbst, das zweite befehligte sein Onkel Vicente Sodré und das dritte Geschwader stand unter dem Kommando seines Cousins Estêvão da Gama. Auf Grund seiner guten Beziehungen zum Königshaus nahmen an der Reise noch weitere Verwandte teil: So z. B. ein weiterer Onkel, Brás Sodré, und sein Schwager Lopo Mendes de Vasconcelos. Bereits auf der Hinreise legte Vasco da Gama in Ostafrika u.a. in Sofala Stützpunkte an. Das Auftauchen der Portugiesen im Indischen Ozean und ihr Angriff auf das Handelsmonopol arabischer und indischer Händler führte recht schnell zu einem latenten Kriegszustand. So musste sich Vasco da Gama noch 1502 unmittelbar nach seiner Ankunft in indischen Gewässern vor Calicut mit 15 eigenen Schiffen einer Flotte von mehr als 100 indischen und arabischen, zumeist kleineren Schiffen zur Schlacht stellen, die das portugiesische Geschwader abfangen wollte. Den Enterkampf vermeidend sowie durch ihr wirksames Geschützfeuer konnten die Portugiesen die gegnerische Flotte fast vollständig vernichten. Durch Verhandlungen, das Ausnutzen von Rivalitäten unter den indischen Fürsten und rücksichtslose Gewaltanwendung gelang es, den ersten Widerstand der von den arabischen Händlern gegen die neue Konkurrenz aus Europa unterstützten indischen Fürsten zu brechen. Vasco da Gama festigte Portugals Stellung an der indischen Malabarküste, indem er die portugiesischen Faktoreien in Cannanore und Cochin weiter ausbaute und stärkte. 1503 errichteten die Portugiesen in Cochin mit Fort Manuel die erste europäische Festung auf dem indischen Subkontinent. Mit zum Teil erzwungenen Handelsverträgen, Privilegien gegenüber verbündeten indischen Fürsten sowie einer permanenten Flottenpräsenz begann Vasco da Gama Portugal recht schnell das Monopol im europäischen Gewürzhandel zu sichern und legte den Grundstein für das portugiesische Kolonialreich in Asien. Innerhalb weniger Jahre errang Portugal eine hegemoniale Stellung als Seemacht im westlichen Teil des Indischen Ozeans. Nach seiner erfolgreichen Rückkehr im Jahre 1503 oder 1504 erhielt er von König Manuel eine jährliche Rente von 400.000 Reais und wurde Angehöriger seines Hofes. Die Reisebeschreibung erschien 1505/1506 unter dem Titel den rechten weg ausz zu fahren von Liszbona gen Kallakuth ... in gedruckter Form in deutscher Sprache bei Georg Stuchs in Nürnberg.

Das Ehrengrab von Vasco da Gama im Mosteiro dos Jerónimos - Lissabon / Stadtteil Belem.

Ehrenvolles Adelsleben - Am 21. März 1507 wies der König Vasco da Gama und dessen Familie an, alle Aktivitäten in Sines einzustellen und die Stadt zu verlassen. Vasco da Gama ließ sich daraufhin in Évora nieder. Die Gunst des Königs blieb da Gama jedoch erhalten. Bereits 1508 unterstützte Manuel Vasco da Gama bei dessen Kauf der Statthalterschaft von Vila Franca de Xira. 1511 verfügte der König, dass da Gama auch weiterhin seine Einkünfte aus den Gütern Santiago do Cacém, Vila Nova de Milfontes und Sines beziehen konnte. 1513 wurde er von allen Gebühren und Steuern für Handelswaren aus Indien befreit. Zwei Jahre später erhielt er das Lehnsgut Nisa, wo er bis 1519 lebte. Seine enge Beziehung zum Königshaus beweist seine Einladung zur Hochzeit König Manuels mit Dona Leonor (Eleonore von Österreich) im Jahre 1519. Aber im Jahre 1518 stellte Vasco da Gama beim König auch den Antrag, mit seiner Familie Portugal verlassen zu dürfen, was von vielen seiner Zeitgenossen als ein Übertritt auf die Seite Kastiliens interpretiert wurde. Im gleichen Schreiben forderte Vasco da Gama auf Grund seiner Verdienste vom König die Verleihung des Titels eines Condes (Graf) sowie die dazugehörigen Einkünfte. Der König lehnte eine sofortige Ausreise der Familie ab, stellte eine solche jedoch am Jahresende in Aussicht. Gleichzeitig wurden jedoch die Voraussetzungen geschaffen, dass Vasco da Gama in den Hochadel aufsteigen konnte. Mit dem vierten Duque (Herzog) D. Jaime (Jakob) de Bragança wurde ausgehandelt, die jährliche Rente von 400.000 Reais gegen die Herrschaften Vila da Vidigueira und Vila de Frades sowie alle mit diesen Besitzungen verbundenen Einkünfte, Rechte und Privilegien einzutauschen. Ende 1519 bestätigte der König diese Transaktion und verlieh Vasco da Gama den Titel Conde de Vidigueira (Herzog von Vidigueira).

Lebensabend - Im Dezember 1521 starb König Manuel. Sein Sohn und Nachfolger Johann III. (João III.) beabsichtigte, gegen die sich ausbreitende Misswirtschaft und Korruption im Estado da Índia vorzugehen. Der Hof beschloss, die reichen diplomatischen und militärischen Erfahrungen Vasco da Gamas für diese Aufgabe zu nutzen. Am 5. April 1524 verließ der zum Vizekönig von Indien ernannte Vasco da Gama in Begleitung seiner beiden Söhne Estêvão und Paulo Lissabon mit Kurs auf Indien. Nach seiner Ankunft begann da Gama eine Reihe von Maßnahmen zur Reorganisation der Zivilverwaltung und der Militärstruktur einzuleiten, so wurden (fast) alle Befehlshaber der portugiesischen Befestigungen in Asien ausgetauscht und die regelmäßige Bezahlung der Soldaten durchgesetzt. Aber der Vizekönig da Gama war krank. Er starb nur drei Monate nach seiner Ankunft am Weihnachtsabend im südwestindischen Kochi an einer „Infektion der Nackenregion“. Zunächst wurde er in Kochi im Convento Santo António im Ornat der Christusritter beigesetzt. 1538 veranlasste sein Sohn Pedro da Silva da Gama, die Gebeine in die Kapelle des Klosters Nossa Senhora das Relíquias ins heimatliche Vidigueira zu überführen. Nach der Auflösung aller Orden und Klöster in Portugal im Jahre 1834 wurden auch die Gräber der Familie da Gama in Vidigueira nicht mehr gepflegt, und sie verwahrlosten. Erst 1880 griff der portugiesische Staat ein und ließ die sterblichen Überreste Vasco da Gamas in einem Ehrengrab im Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymus-Kloster) im Lissaboner Vorort Belém beisetzen. Das Museu Naval (Seefahrtsmuseum) in Faro stellt Modelle historischer bedeutsamer Schiffe aus, darunter ein Modell des Flaggschiffes Vasco da Gamas auf seiner ersten Reise nach Indien – der Nau São Gabriel.